Kontrolle der Haselmausnistkästen in Illingen

 

Kurzinfo zur Haselmaus: haselmaus_2

Die Haselmaus (wissenschaftl. Name: Muscardinus avellanarius Linné, 1758) ist ein nachtaktives Nagetier aus der Familie der Bilche (Gliridae), das äußerlich sehr dem Siebenschläfer oder der Waldmaus ähnelt.

Ihr Fell ist jedoch gelbbräunlicher bis rotbräunlicher Färbung und mit weißen Flecken an Kehle und Brust versehen, der Schwanz ist meist etwas dunkler. Sie wiegt bis zu 45 Gramm vor dem Winterschlaf und 15 bis 30 Gramm danach. Nahezu die Hälfte ihrer Körpergröße von bis zu 15 Zentimetern entfällt dabei auf ihren buschigen Schwanz, der sie deutlich von den Mäusen abgrenzt, insbesondere von Wald- und Feldmaus, die parallel mit ihr auftreten können. Ein weiteres Erkennungsmerkmal stellen ihre großen tiefschwarzen Augen dar.

In freier Wildbahn beträgt ihre Lebenserwartung bis zu sechs Jahre. Sie kommt in lichten Mischwäldern mit reichem Buschbestand und vor allem an Waldrändern mit Haselsträuchern vor.

Aktuell wird die Haselmaus in der Roten Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze Deutschlands geführt. Ihre Gefährdung wird darin als „bestandsgefährdet“ angegeben. Allerdings beinhaltet die Kategorie „G“ (Gefährdung unbekannten Ausmaßes) auch die Information, dass geeignete Schutz- und Hilfsmaßnahmen zu einer Stabilisierung der Population führen können und bei Erfolg sogar zur erneuten Ausbreitung der untersuchten Art.
Dennoch verzeichnet die Haselmaus in Deutschland einen Rückgang und ist dementsprechend selten geworden. Grund dafür ist vor allem der sukzessive Verlust ihres Lebensraumes und die zunehmende Zerstückelung. Ihre Futterkonkurrenz zur Waldmaus, die sich zudem als konkurrenzüberlegen erwies, trägt ihr Übriges bei.

 

BUND-Engagement für die Haselmaus

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Angesichts der Bedrohung der Haselmausbestände sind mehrere BUND-Landesverbände aktiv geworden, darunter auch der BUND Saar. Sie beteiligten sich an der von 2008 bis 2012 stattfindenden „Großen Nussjagd“, die ursprünglich von der Sächsischen Landesstiftung Natur und Umwelt ins Leben gerufen wurde. Im Rahmen der Nussjagd richtete der BUND Saar Erlebnistage mit rund 600 Schul- und Kindergartenkindern aus, an denen die Kinder unter anderem Haselnüsse auf Bissspuren von Haselmäusen untersuchten. Neben dem umweltpädagogischen Nutzen des Projektes erhielt der BUND somit zuverlässige Daten über die Ausbreitung der Haselmausbestände.

Das aktuelle Engagement des BUND zum Schutz der Haselmaus umfasst das vom saarländischen Naturschützer und Diplom-Landschaftsökologen Helmut Jochem initiierte Nistkästenprojekt, bei dem 2014 110 Nistkästen größtenteils im Illinger Illgrund und im Illinger Ailsbachtal angelegt wurden. Beide Areale sind ehemalige Streuobstwiesen, die als Naturschutz- und Natura 2000-Gebiet als solche erhalten werden. Ideale Voraussetzungen für die Haselmaus, denn viele Waldstücke finden sich inmitten zum Teil naturbelassener Wiesen und Weiden.

Besagte Haselmauskästen ähneln den weitaus bekannteren Vogelnistkästen in ihrem Aufbau. Allerdings werden sie in ungefähr 1,50 Metern Höhe mit der Öffnung zum Baumstamm hin aufgehängt, um zu verhindern, dass Vogelarten wie Kohl- oder Blaumeisen die Nistkästen in Beschlag nehmen. Die Öffnung ist zusätzlich mit einem Holzgestell umrandet, der anderen Tieren das Betreten erschweren soll.

 

Nistkästenkontrolle am 17. Oktober 2015

Am Samstag, den 17. Oktober 2015 stand nun die jährliche Kontrolle der Nistkästen an. Organisator Helmut Jochem sowie BUND Saar-Landesvorstandsmitglied Christoph Eckert und BUND Saar-FÖJler und BUNDjugend-Mitglied Paul Rothgerber versammelten sich diesbezüglich zur Morgenzeit in Illingen.
Das Vorhaben war es, die 60 im Ailsbachtal installierten Nistkästen auf die Anwesenheit oder Spuren der Haselmaus wie Nistvorrichtungen oder Futterlager zu überprüfen.

Nach einer vierstündigen Begehung des Gebietes konnten die Naturschützer jedoch keine Anzeichen für Haselmausbestände dokumentieren. Für Helmut Jochem keine Überraschung, denn es könne Jahre dauern, bis die Nistkästen von den Haselmäusen angenommen werden.

 

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Foto: Jörg Schlichter; Aufnahme mit Fotofalle

Fazit von Paul Rothgerber:

„Auf unserer Exkursion durch die Illinger Wildnis konnten wir zwar noch keine Haselmäuse nachweisen, dennoch kam unsere Naturbegeisterung nicht zu kurz. Aus kurzer Entfernung konnten wir mehrere Rehe beobachten, ebenso einen Habicht und einen Fasan. Auch wer sich auf Mäuse gefreut hatte, wurde nicht enttäuscht, denn gleich in mehreren Nistkästen stießen wir auf Waldmäuse. Als weitere nennenswerte Erlebnisse sind dazu noch der Fund eines hervorragend erhaltenen Fuchsschädels anzuführen sowie die vielen Vogelnester, die trotz der Schutzvorrichtungen in den Haselmausnistkästen gebaut worden waren.“